Hans Gál

Hans Gál

Hans Gál wurde 1890 in der Nähe von Wien geboren. Schon früh fand er als Komponist Anerkennung: 1915 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Komposition. Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte er sich rasch als bedeutender Komponist, insbesondere durch den Erfolg seiner zweiten Oper Die Heilige Ente. Sie wurde 1923 in Düsseldorf unter Georg Szell uraufgeführt und anschließend an rund 20 Bühnen gespielt, darunter Berlin, Prag und Breslau. Noch 1933 gehörte sie zum Repertoire.

Aufgrund seiner internationalen Erfolge wurde Gál 1929 zum Direktor des Mainzer Konservatoriums ernannt. Er blieb dort bis 1933, als Hitlers Machtübernahme zu seiner Entlassung und zum Verbot jeder Veröffentlichung oder Aufführung seiner Werke in Deutschland führte. Er kehrte nach Wien zurück, musste jedoch wegen seiner jüdischen Herkunft erneut fliehen, als die Nationalsozialisten Österreich im März 1938 dem Dritten Reich einverleibten. Er und seine engste Familie konnten nach Großbritannien entkommen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, während dessen er zeitweise als „feindlicher Ausländer“ interniert war, erhielt er schließlich eine feste Stelle als Dozent am Fachbereich Musik der Universität Edinburgh und nahm die britische Staatsangehörigkeit an.

Als „kontinentaleuropäischer Brite“ vermittelte er seiner Wahlheimat eine unmittelbare persönliche Verbindung zur österreichisch-deutschen Tradition, in der er tief verwurzelt blieb. Fast sein ganzes langes Leben hindurch war er schöpferisch tätig. Neben seinem umfangreichen kompositorischen Werk, das alle wichtigen Gattungen umfasst, verfasste er Bücher über Brahms, Schubert, Schumann, Wagner und Verdi. Als Lehrer, Interpret, Wissenschaftler und Mitbegründer des Edinburgh International Festival prägte er unzählige Menschen; seine Musik blieb jedoch weitgehend unbekannt. Die Hoffnung ist, dass durch die Arbeit der Hans-Gál-Gesellschaft sein reiches musikalisches Erbe wiederentdeckt und für künftige Generationen bewahrt wird.