Neuerscheinungen
Music Behind Barbed Wire
Ein Tagebuch des Sommers 1940 von Hans Gál
Music Behind Barbed Wire, während der Internierung 1940 geschrieben, ist ein lebendiger, zutiefst menschlicher Bericht über persönliches Überleben und schöpferisches Wirken unteraußergewöhnlichen Umständen. Unter Gáls Mitinternierten findet sich eine bunte Schar bedeutender Persönlichkeiten, die aus den Tagebuchseiten wie Figuren eines tragikomischen menschlichen Dramas hervortreten. Es ist erschütternd und humorvoll, außerordentlich lesenswert und letztlich ein Denkmal des menschlichen Geistes und der Kraft von Musik und schöpferischer Tätigkeit. Dem Buch liegt eine Musik-CD aus der Internierungszeit bei. Übersetzt von Anthony Fox und Eva Fox-Gál, mit Vorworten von Professor Sir Alan Peacock und Richard Dove. Erschienen bei Toccata Press, 2014.
Rezension von Music behind Barbed Wire (Übersetzung)
von Ralph Blumenau (Amazon):
5,0 von 5 Sternen Das Tagebuch eines Komponisten während seiner Internierung als „feindlicher Ausländer“ auf der Isle of Man 1940,12. Januar 2015 Von Ralph Blumenau (London, Vereinigtes Königreich)
Als Hitler im Mai 1940 den Einmarsch in Holland, Belgien und Frankreich begann, internierte die britische Regierung vorsorglich viele Tausend in Großbritannien lebende „feindliche Ausländer“. Ein sehr großer Teil von ihnen waren tatsächlich jüdische Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Zu ihnen gehörte der Komponist Hans Gál. Seine Gruppe wurde zunächst in einem Lager in Huyton bei Liverpool interniert und dann auf die Isle of Man gebracht. Dieses Buch ist das Tagebuch, das er während dieser Zeit führte, und es ist eine fesselnde Lektüre. Es liegt nun in einer Übersetzung aus dem deutschen Original ins Englische vor.
Gál war nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein literarischer Künstler. Dieses Tagebuch ist so anschaulich geschrieben, dass man meint, all seine Erfahrungen mitzuerleben. Da ist natürlich die Empörung darüber, dass diese Flüchtlinge überhaupt interniert wurden. Die ersten Tage waren besonders hart: Die Internierten mussten auf dem Boden schlafen, bekamen unzureichend zu essen und hatten mangelhafte sanitäre Einrichtungen. Aber auch später äußert Gál sarkastische, zornige Verachtung für die Rücksichtslosigkeit und Unfähigkeit der Militärbehörden, obwohl er ihnen in der Regel – mit einer Ausnahme – keine Böswilligkeit unterstellt: Anders als die Nationalsozialisten waren sie schließlich nicht darauf aus, die Internierten absichtlich zu misshandeln. Tatsächlich organisierten sich die Internierten weit effizienter, als es den Behörden gelang. Diese waren beispielsweise dankbar für die von den Internierten angelegte Kartei: Auf eine solche Idee schienen sie selbst nie gekommen zu sein. Deshalb hatten sich Tausende Briefe für die Internierten angesammelt, weil die Behörden schlicht nicht wussten, in welchem Haus der jeweilige Empfänger untergebracht war. Die Selbstorganisation ging jedoch weit über solche Verwaltungsfragen hinaus. Viele Internierte waren bedeutende Musiker und Wissenschaftler, und das Lager entwickelte sich sehr bald zu einem lebendigen Kulturzentrum mit Vorträgen und Konzerten. Bei Letzteren spielte Gál eine wichtige Rolle. In Huyton komponierte er eine Suite für zwei Violinen und Flöte – die einzigen damals im Lager vorhandenen Instrumente. Später schrieb er die Musik zu einer Revue, die zweimal aufgeführt wurde, das zweite Mal am Tag vor seiner Entlassung. Die Suite und die Musik zur Revue sind auf einer dem Buch beiliegenden CD eingespielt. In der Musik begegnet uns derselbe Witz wie im Buch: Vergnügt schildert er die komischen Seiten eines Lebens, das insgesamt keineswegs komisch war, schon gar nicht für einen Menschen von seinem empfindsamen, nervösen Naturell. Er findet stets das treffende Wort: Die äußeren Lebensbedingungen, die Charaktere seiner Freunde und so vieler Mitinternierter werden außerordentlich lebendig. Anziehend ist auch, wie großzügig er die Eigenschaften anderer anerkennt und würdigt. Die bewegendsten Seiten sind die letzten, geschrieben an Bord des Schiffes, auf dem er nach England und in sein normales Leben zurückkehrte. Er denkt über die positiven Seiten dieser Erfahrung nach: über Freundschaft, Gemeinschaft und Selbstlosigkeit, die in den Lagern entstanden waren, über das Bewusstsein, „dass unser Leben hier einen neuen und edleren Sinn gewonnen hatte … und dass wir dadurch bereichert worden waren und eine Atmosphäre der Kameradschaft und Freundschaft erlebt hatten, wie wir sie zuvor nie gekannt hatten.“
Klavierquartett in ADieses Werk für Klavier (linke Hand), Violine, Viola und Violoncello entstand 1926 im Auftrag des einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein (1887–1961) und wurde für ihn geschrieben. Wittgenstein und das Sedlak-Quartett führten es 1928 erstmals und danach bei zwei weiteren Gelegenheiten auf. Damals wurde es nicht veröffentlicht. Gál überarbeitete es später, vermutlich nach seiner Emigration nach Großbritannien 1938, doch es blieb weiterhin unveröffentlicht. Nun (2014) wurde es neu gesetzt und bei Boosey & Hawkes/Benjamin unter dem Verlagsnamen Simrock herausgegeben (EE 5419; ISMN 979-0-2211-2212-4.
Hans Gál: Ein Jahrhundert Musik. Eva Fox-Gál und Anthony FoxDieses kleine deutschsprachige Buch bietet einen Überblick über Gáls Leben und Werk mit Abbildungen und enthält ein Verzeichnis aller veröffentlichten Werke Gáls. Herausgeber ist Gerold Gruber, Leiter der Organisation exil-arte; es erschien 1912 in Berlin bei Hentrich und Hentrich in der Reihe Jüdische Miniaturen. ISBN 978-3-942271-77-6.
Vier Miniaturen für Mandoline, Violine, Viola und Violoncello, op. 10a.
(Four Miniatures for mandolin, violin, viola and cello, op. 10a)
Eine neue Ausgabe dieses Werkes ist soeben bei Joachim Trekel in Hamburg erschienen, einem auf Mandolinenmusik spezialisierten Verlag. Das Werk wurde 1914 für Streichquartett geschrieben und als Opus 10 veröffentlicht. Gál fertigte diese Fassung für seinen Freund, den Mandolinisten Vinzenz Hladky, in Wien an im Jahr 1937,, mit Mandoline anstelle der ersten Violine und Laute anstelle des Violoncellos. Hladky veröffentlichte es 1967 in dieser Form, doch es war lange nicht mehr erhältlich. Die neue Ausgabe setzt wieder das Violoncello ein. Sie kann unter Trekels Katalognummer T6567 bestellt werden. Die ursprüngliche Streichquartettfassung ist lieferbar und bei Boosey and Hawkes unter dem Titel Fünf Intermezzi, op. 10 erhältlich.

