24. Forschung und Schriften

Gál war – und ist wohl bis heute – durch seine Tätigkeit als Wissenschaftler und Schriftsteller bekannter als durch seine Musik. Im Laufe der Jahre schrieb er eine Reihe von Büchern, die ihm breite Anerkennung und Erfolg brachten. Sie alle gehen aus seiner lebenslangen Beschäftigung mit der Musik der großen Komponisten und seiner tiefen Kenntnis ihrer Werke hervor, zugleich aber auch aus der persönlichen Sicht eines Menschen, der die Geheimnisse des schöpferischen Prozesses aus eigener Erfahrung kannte. Darin liegt einer ihrer besonders anziehenden und wertvollen Züge. Seine Schriften stellen deshalb nicht lediglich die ‚Fakten‘ oder die äußeren Lebensumstände ihres Gegenstandes dar, sondern dringen, oft auf unkonventionelle Weise, unter die Oberfläche.

Sein erstes Buch nach dem Krieg, The Golden Age of Vienna (1948), lässt sich vielleicht als Hommage an seine Heimat verstehen - es ist ‚Meinen österreichischen Freunden in aller Welt‘ gewidmet (Übersetzung der englischen Widmung). Das Buch richtet sich eher an ein breites Publikum als an die Fachwissenschaft. Bezeichnenderweise stellt es jedoch die Musik und die Musiker Wiens von Gluck bis Schubert in einen weiten historischen und kulturellen Zusammenhang und bietet einfühlsame, eigenständige Gedanken zum Leben und Werk der Komponisten.

Anfang der 1960er Jahre schrieb Gál Monografien über Brahms (1961) und Wagner (1963). Es sind keine trockenen wissenschaftlichen Abhandlungen – Gál verabscheute das ‚Staubschlucken‘ bei der Bibliotheksarbeit –, sondern Bücher, die aus genauer Vertrautheit mit den Werken dieser Komponisten entstanden. Als Freund und enger Mitarbeiter Mandyczewskis sowie Mitherausgeber der Brahms-Gesamtausgabe empfand er eine tiefe Verbundenheit mit Brahms, die ihm den Zugang sowohl zu dessen Werken als auch zu dessen Persönlichkeit eröffnete. Bei Wagner suchte er einen Mittelweg zwischen der Größe seiner Musik und der Ungeheuerlichkeit seiner Ideologie. Der besondere Wert beider Bücher liegt darin, dass sie aus der Sicht eines praktizierenden Musikers geschrieben sind, nicht allein aus der eines Wissenschaftlers. In den 1970er Jahren folgten zwei weitere Monografien: über Schubert (1970) und Verdi (1975). Das erste Buch ist von einer tiefen Liebe zu Schuberts Musik durchdrungen. Im zweiten trugen Gáls eigene Erfahrungen als erfolgreicher Opernkomponist zweifellos zu seinem Verständnis der dramatischen und literarischen ebenso wie der musikalischen Seiten von Verdis Werk bei.

Neben diesen Monografien veröffentlichte Gál auch The Musician’s World: Great Composers in their Letters (1965), eine weitere Sammlung von Brahms-Briefen (1979) und einen Führer durch Schumanns Orchesterwerke (1979).

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