21. Werke der Kriegsjahre
Nach dem Krieg konnte Gál zwar versuchen, die durch 15 Jahre Verbot und Exil abgerissenen Verbindungen wiederaufzunehmen. Doch die Zeiten hatten sich geändert, und die musikalischen Werte, für die seine Musik steht, hatten viel von ihrer Geltung verloren – nicht beim Publikum, wohl aber bei den Wortführern des musikalischen Geschmacks und der Mode. In England, wo er vor 1938 kaum bekannt gewesen war, musste er ohnehin von vorn beginnen, um auf fremdem Boden überhaupt Fuß zu fassen. Dennoch komponierte er unbeirrt weiter, ohne sich von äußerer Anerkennung abhängig zu machen. In Deutschland und Österreich, wo sein Ansehen den Krieg teilweise überdauert hatte, konnte seine Musik wieder aufgeführt werden, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang als zuvor. Seine KantateDe Profundis (Op.50), dem ‚Andenken an diese Zeit, ihre Qual und ihre Opfer‘ gewidmet (Übersetzung der englischen Wiedergabe), entstand noch vor dem Krieg in Wien und wurde 1948 von Otto Schmidtgen in Wiesbaden uraufgeführt. Dort hinterließ sie einen besonders tiefen Eindruck. Nun konnten auch die Werke der Kriegsjahre ihre Uraufführungen erleben, viele davon in Deutschland unter Otto Schmidtgens Leitung. Zu den Orchesterwerken zählen die Pickwick-Ouvertüre (A Pickwickian Overture) (Op.45), Lilliburlero (Op.48) mit dem Untertitel ‚Improvisationen über eine kriegerische Melodie‘, dessen Thema die im Kriegsrundfunk verwendete irische Melodie ist, das Violoncellokonzert (Op.67) und die Zweite Sinfonie (Op.53), die Schmidtgen 1948 in Wiesbaden uraufführte.
Auch viele erst wesentlich später veröffentlichte Werke stammen aus diesen Kriegsjahren, zum Beispiel das Concertino für Violine (Op.52), dieViolasonate (Op.101), die Sonate für zwei Violinen und Klavier (Op.96) und das Trio für Oboe, Violine und Viola (Op.94), das er als Gegenstück zur Huyton-Suite schrieb. In der völlig unchronologischen Folge der Opuszahlen sind die Spuren der Verwerfungen durch nationalsozialistische Verfolgung, Krieg und Exil deutlich erkennbar.
