26. Nachwort
Hans Gál starb am 3. Oktober 1987 im Alter von 97 Jahren an Krebs. Hanna erinnerte sich an seine letzten Tage:
[Übersetzung des englischen Zitats:] „Er hatte immer noch keine Schmerzen, wofür ich ewig dankbar sein werde, aber er konnte nicht mehr essen und wurde von Tag zu Tag schwächer. Trotzdem kam er jeden Tag vollständig angezogen mit dem Treppenlift herunter und blieb bis zum Schlafengehen in seinem Zimmer, las, hörte Musik … Gegen den gut gemeinten Rat des Arztes beschloss ich, ihn so lange wie möglich zu Hause zu behalten. Dort konnte er mit seinen Büchern, seiner Musik, dem Radio usw. ein fast normales Leben führen, obwohl er durch den Nahrungsmangel immer schwächer wurde. Erst fünf Tage vor dem Ende kam er in das wunderbar geführte Hospiz. Dort hatte er ein eigenes Zimmer, ich konnte so lange bei ihm sein, wie ich wollte, und als zwei Tage vor dem Ende die gefürchteten Schmerzen einsetzten, konnte ihm geholfen werden.“ [Persönliche Korrespondenz.]
In seinem letzten Lebensjahr konnte er noch sichtbare Zeichen einer wachsenden Anerkennung seiner Musik erleben, darunter die erste britische Rundfunkaufnahme von De Profundis und des vollständigen Zyklus seiner Streichquartette. Die erste Wiener Aufführung vonDe Profundis, die im März 1988 zum 50. Jahrestag der Annexion Österreichs stattfand, erlebte er nicht mehr.
Seine Frau Hanna, die ihm 65 Jahre lang zur Seite gestanden hatte und ohne die er gewiss weder so lange noch so schöpferisch gelebt hätte, starb im Dezember 1989 friedlich. So erlebte auch sie weder die Uraufführung von Die Beiden Klaas (englischer Titel: ‚Rich Claus, Poor Claus‘, Op.42) zu seinem 100. Geburtstag noch die erste Wiederaufnahme nach dem Krieg vonDie Heilige Ente durch die Deutsche Oper Berlin in ihrer Reihe ‚Vergessene Zeitgenossen: Oper am Klavier‘.
Neben den wechselnden Moden setzten die politischen Ereignisse während Gáls langen Lebens auch seinen Werken zu. Viele waren vergriffen und nicht erhältlich, Aufführungen allzu selten. In den letzten Jahren ist jedoch eine Wiederbelebung zu beobachten, und das Interesse wächst. Vergriffene Werke werden wieder zugänglich gemacht, und es gibt einen stetigen Strom von Aufführungen und Aufnahmen. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch eine neue Generation Hans Gáls Musik wieder erleben und zu neuem Leben erwecken wird.
