14. Die Mainzer Jahre

Die Mainzer Zeit war für Gál äußerst anregend und abwechslungsreich. Er wirkte nicht nur am Konservatorium, sondern gehörte gemeinsam mit Ernst Toch und Alban Berg dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Musikvereins an. Diese angesehene Organisation veranstaltete regelmäßig Feste zeitgenössischer Musik, jeweils in einer anderen Stadt. Jedes eingereichte Werk wurde von zwei Juroren beurteilt, die einen ausführlichen Bericht verfassen mussten. Berg und Gál waren für die österreichische Sektion zuständig. Bemerkenswert und ein Zeugnis ihrer beider Integrität ist, dass sie trotz grundverschiedener musikalischer Vorstellungen bei der Beurteilung von Originalität und musikalischem Können fast immer übereinstimmten.

Gál schätzte diese Anlässe, weil sie ihm Kontakte zu Konservatoriumsdirektoren und Universitätsprofessoren aus ganz Deutschland ermöglichten.Er kehrte stets mit einem Vorrat amüsanter Anekdoten aus dem deutschen Musikleben zurück. Hanna begleitete ihn auf einigen dieser Reisen, doch gewöhnlich besuchten sie die Konzerte selbst nur, wenn ein Werk von Hans auf dem Programm stand. So war es in Krefeld bei der Uraufführung seiner Epigramme , in Königsberg bei seiner Ballettsuite für Orchester (op.36) und schließlich 1932 in Zürich bei einer Aufführung seines zweiten Streichquartetts.

Unterdessen ließ der Strom seiner eigenen Kompositionen keineswegs nach. In diese Zeit gehören neben der bereits erwähnten Ballettsuitedas Märchenspiel Der Zauberspiegel (englisch: ‚The Magic Mirror‘, op.38), 1930 als Weihnachtsspiel am Breslauer Theater uraufgeführt, die Serenade für Violine, Viola und Violoncello (op.41) von 1932, das Violinkonzert (op.39), ebenfalls 1932 entstanden und im Februar 1933 in Dresden von Kulenkamp unter Fritz Busch uraufgeführt, und vor allem eine neue Oper, Die beiden Klaas (englisch: ‚Rich Claus, Poor Claus‘, op.42), mit deren Schicksal wir unsuntenbefassen werden. Er war nun allgemein anerkannt und galt weithin als einer der angesehensten Komponisten seiner Generation.

Die Sommerferien verbrachten die Gáls wieder in Österreich, gelegentlich auch in der Schweiz. Für kürzere Auszeiten fuhren sie in den nahen Rheingau und die Wälder des Taunus. Auch in einem Kinderheim im Schwarzwald hielten sie sich auf – ein Kontakt, für den sie bald dankbar sein sollten.

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