Hans Gál · 1890–1987

Die Mainzer Jahre

Die Mainzer Zeit war für Gál äußerst anregend und abwechslungsreich. Er wirkte nicht nur am Konservatorium, sondern gehörte gemeinsam mit Ernst Toch und Alban Berg dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Musikvereins an. Diese angesehene Organisation veranstaltete regelmäßig Feste zeitgenössischer Musik, jeweils in einer anderen Stadt. Jedes eingereichte Werk wurde von zwei Juroren beurteilt, die einen ausführlichen Bericht verfassen mussten. Berg und Gál waren für die österreichische Sektion zuständig. Bemerkenswert und ein Zeugnis ihrer beider Integrität ist, dass sie trotz grundverschiedener musikalischer Vorstellungen bei der Beurteilung von Originalität und musikalischem Können fast immer übereinstimmten.

Gál schätzte diese Anlässe, weil sie ihm Kontakte zu Konservatoriumsdirektoren und Universitätsprofessoren aus ganz Deutschland ermöglichten.Er kehrte stets mit einem Vorrat amüsanter Anekdoten aus dem deutschen Musikleben zurück. Hanna begleitete ihn auf einigen dieser Reisen, doch gewöhnlich besuchten sie die Konzerte selbst nur, wenn ein Werk von Hans auf dem Programm stand. So war es in Krefeld bei der Uraufführung seiner Epigramme , in Königsberg bei seiner Ballettsuite für Orchester (op.36) und schließlich 1932 in Zürich bei einer Aufführung seines zweiten Streichquartetts.

Unterdessen ließ der Strom seiner eigenen Kompositionen keineswegs nach. In diese Zeit gehören neben der bereits erwähnten Ballettsuitedas Märchenspiel Der Zauberspiegel (englisch: ‚The Magic Mirror‘, op.38), 1930 als Weihnachtsspiel am Breslauer Theater uraufgeführt, die Serenade für Violine, Viola und Violoncello (op.41) von 1932, das Violinkonzert (op.39), ebenfalls 1932 entstanden und im Februar 1933 in Dresden von Kulenkamp unter Fritz Busch uraufgeführt, und vor allem eine neue Oper, Die beiden Klaas (englisch: ‚Rich Claus, Poor Claus‘, op.42), mit deren Schicksal wir unsuntenbefassen werden. Er war nun allgemein anerkannt und galt weithin als einer der angesehensten Komponisten seiner Generation.

Die Sommerferien verbrachten die Gáls wieder in Österreich, gelegentlich auch in der Schweiz. Für kürzere Auszeiten fuhren sie in den nahen Rheingau und die Wälder des Taunus. Auch in einem Kinderheim im Schwarzwald hielten sie sich auf – ein Kontakt, für den sie bald dankbar sein sollten.

Nach oben

Biografische Anmerkungen

Ernst Toch
Ernst Toch wurde 1887 in Wien geboren. Zunächst war er Autodidakt und komponierte in seiner Jugend neben dem Medizinstudium Musik in spätromantischem Stil. 1909 erhielt er für seine Kammersinfonie in F den Frankfurter Mozartpreis und damit ein Stipendium für das Konservatorium; er beschloss, sich ganz der Musik zu widmen. 1910 gewann er den Mendelssohn-Preis, zwischen 1910 und 1913 viermal den österreichischen Staatspreis für Musik. 1913 wurde er als Lehrer an die Mannheimer Musikhochschule berufen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Tochs Musik experimenteller, mit erweiterter Tonalität und dem Einsatz von Sprechstimmen. In den 1920er Jahren war er sehr erfolgreich und erhielt vom Verlag Schott ein regelmäßiges Einkommen, das ihm die zum Komponieren nötige finanzielle Sicherheit gab. Zu den wichtigen Werken dieser Zeit gehört sein Klavierkonzert (1926). 1928 zog er mit seiner Familie nach Berlin und wandte sich Bühnenwerken zu, darunter als bekanntestes die einaktige Oper Die Prinzessin auf der Erbse (The Princess and the Pea). 1933 zwang ihn der Aufstieg der Nationalsozialisten zur Flucht, zunächst nach Frankreich und England, wo er die Big-Ben-Variationen für Orchester (1935) schrieb, dann nach Amerika. Dort wurde er Professor für Komposition an der University of Southern California.

Der Stil seiner Werke aus den 1920er Jahren war in Amerika unbeliebt, und er kehrte zu seinem früheren romantischen Stil zurück. Dort komponierte er sieben Sinfonien; die dritte erhielt einen Pulitzer-Preis (1957), und 1960 gewann er außerdem einen Grammy. Auch schrieb er Filmmusik, vieles davon anonym, für Columbia, Paramount und Twentieth Century Fox. Unter seinen musiktheoretischen Schriften wurde The Shaping Forces in Music (1948) am einflussreichsten. Er starb 1964 in Los Angeles.

↑ Zurück zum Text

Weiterführendes

Gáls Leben in Daten →Stammbaum →Skizzenbuch →Illustriertes PDF ↓