Hans Gál Musik für Mandoline CD1 (Hans Gál Music for Mandolin CD1)

Hans Gál - Musik für und mit Mandoline
Badisches Zupforchester (Baden Mandolin Orchestra)
Dirigent: Volker Gerland
CD1
Capriccio für Mandolinenorchester
Sinfonietta Nr.2 Op.86
Lyrische Suite (Lyrical Suite)
Antes Edition (Bella Musica): BM319177
2002
Bezugs- und Hörmöglichkeiten
Hans Gál erlebt derzeit – ebenso wie Egon Wellész, der nach Oxford emigrierte – eine gewisse Wiederentdeckung. Der in Österreich hoch angesehene Musikwissenschaftler und Komponist machte 1928 erstmals in England auf sich aufmerksam, als er bei einem Sinfoniewettbewerb zum Schubert-Jubiläum den zweiten Preis gewann. Dies war nicht derselbe Wettbewerb, zu dem Brian, Merrick, Ivimey, Holbrooke und Jacob Werke einreichten, sondern ein völlig unabhängiger Wiener Wettbewerb, bei dem Franz Schmidts Dritte Sinfonie den ersten Preis erhielt. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste Gál 1938 nach England emigrieren. Die Wahl fiel auf England auf Einladung von Donald Francis Tovey, der der Jury des genannten Wettbewerbs angehört hatte. Gál wurde Bibliothekar an der Reid Music Library, 1940 jedoch als möglicher „Kollaborateur des Feindes“ interniert. 1945 wurde er zum Lecturer an der Universität Edinburgh ernannt. Sein kompositorisches Schaffen erstreckt sich über etwa siebzig Jahre; erst kurz vor seinem Tod hörte er auf zu komponieren. (Übersetzung der Rezension.)
Das hier eingespielte Repertoire, zum Teil in Zusammenarbeit mit dem Cellisten und Mandolinisten Vinzenz Hladky geschrieben, mag gewöhnungsbedürftig sein und ist sicher nur ein Nebenweg in Gáls Œuvre. In diesen vom Enkel des Komponisten produzierten, gemasterten und geschnittenen Aufnahmen begegnet uns ein reizvoller, bisweilen beinahe wienerischer, manchmal gemäßigt moderner „sinfonischer“ Kontrapunkt. Die Interpretationen besitzen besondere Kraft und Intensität und zugleich ein ganz eigenesRaffinement.
Die eher leichtgewichtige Sinfonietta, deren Mittelsatz besonders reizvoll endet, erlebte ihre öffentliche Uraufführung tatsächlich erst 2002 durch die hier zu hörenden Interpreten. Die Suite op. 59b verdichtet den musikalischen Gedanken stärker als die „Orchesterkompositionen“ und bietet sehr feinsinnige Musik. Mitunter erinnerte mich das an Lennox Berkeley. Auch alte italienische Tanzformen klingen an. Die Sarabande erinnert in gewisser Weise an Gáls ungarische Herkunft. Die Bühnenmusik zu Browning entstand, als Gál gerade nach Wien zurückgekehrt war, nachdem man ihn wegen seines Judentums als Direktor des Mainzer Konservatoriums entlassen hatte. Offenbar wollte er vermeiden, die Behörden auch nur mit dem geringsten Zug von „Entartetheit“ zu provozieren. Stattdessen schrieb er stark kontrapunktische, klar aus der Tradition abgeleitete Musik mit sehr poetischen Ergebnissen, obwohl den Interpreten etwas von der Feinheit der „reinen Zupfwerke“ fehlt.
Jürgen Schaarwächter
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